Beschreibung des Kanban-Programms
Zur Lösung von Problemen bei der Einführung und Nutzung von Kanban wurde ein Programm mit nachfolgenden Merkmalen entwickelt:
- Berechnung von Behältermindestbeständen (Bestellpunkte)
- Ermittlung der für den Umlauf notwendigen Anzahl Kanbans auf Grundlage aktueller Produktionsdaten
- Ausdruck von Kanbans in den – auf Grundlage der Produktionsdaten – ermittelten Stückzahlen
- Nachdruck einzelner Kanbans unter Zuhilfenahme einer Anzeige über die tatsächlich im Umlauf befindlichen Kanbans
- Reihenausdruck von Kanbans durch Eingabe von/bis Arbeitsplätzen
- Einzel- bzw. Reihenausdruck von Regal- und Arbeitsplatzbeschriftungen
- Druckspool bei der Dateneingabe für den Ausdruck mehrerer Kanbans oder Regal- und Arbeitsplatzbeschriftungen
- Einbeziehung von Grafiken in das Kanban-Layout zur Verminderung von Verwechslungen von Teilen
- Anzeigen der im Umlauf befindlichen Kanbans zur Analyse der Umläufe
- SOLL/IST-Abgleich über die Anzahl Kanbans
- Feststellung von inaktiven Kanbans zur Pflege der Datenbasis.
Nachfolgend wird im Detail auf das Programm eingegangen.
Zu beachten ist, dass dieses Programm auf die spezifischen Gegebenheiten der beispielgebenden Firma zugeschnitten ist.
Die hier beschriebenen Funktionen sollen nur die Möglichkeiten in Bezug auf eine effiziente Kanban-Steuerung aufzeigen.
Andere Gegebenheiten erfordern eine Programmanpassung.
Umlaufanalyse
Kern des Programms ist die sogenannte Umlaufanalyse, die als Querschnittfunktion in dieses Programm eingearbeitet ist.
Die Umlaufanalyse gibt:
- Die Möglichkeit, periodisch die richtige Systemeinstellung für den Behältermindestbestand und die Anzahl Kanbans durch Soll/Ist-Vergleich zu prüfen und hilft damit, die Umlaufbestände zu reduzieren.
- Hilfestellung beim Nachdruck von Kanbans, indem aktive bzw. fehlende Kanbans in Bezug auf das aktuelle Produktionsprogramm angezeigt werden.
- Unterstützung bei der Ermittlung von inaktiven Kanbans.
Eine Konvertierung der Daten aus der Umlaufanalyse zu Excel ermöglicht darüber hinaus individuelle Auswertungen.
In der Logistikbasis werden die Rückläufe der Kanbans durch Einlesen eines Kanban-spezifischen Barcodes erfasst.
Der Barcode wird bei der Erstellung der Kanbans erzeugt und beinhaltet die Teilenummer, das Erstelldatum der Karte, den Montageort sowie eine lfd. Kartennummer.
Diese Daten ergeben den eindeutigen Barcode. Der Barcode verschlüsselt alphanumerische Zeichen, deshalb wurde als Format Code 39 gewählt.
Der eingelesene Barcode wird vom Programm in seine Bestandteile aufgelöst und in einer Tabelle abgelegt. Für individuelle statistische Auswertungen wird das Erfassungsdatum mit Zeitangabe hinzugefügt.
In der Einführungsphase von Kanban wurden massiv von den Mitarbeitern am Montageband Teile gehamstert. Die Mitarbeiter waren wegen der geringen Bestandsmenge irritiert und befürchteten Bandabrisse.
Um ihren Teilebestand zu erhöhen, und in dem Wissen, nur Teile mit einer entsprechenden Karte zu erhalten, meldeten sie laufend den Verlust der Karten; diese Karten wurden inflationär nachgedruckt, da es keinen Überblick über den richtigen Bestand an Karten gab. Mit Hilfe der Analyse wird der richtige Bestand an Kanbans nachgewiesen.
Eine am Markt orientierte Fertigung muss laufend ihre Produkte den Kundenwünschen anpassen; daraus resultieren Produktänderungen mit den einhergehenden Produktan- und -ausläufen.
Nicht erkannte ausgelaufene Produkte belegen mit ihren Restbeständen wertvollen Platz in der Montage oder im Lager und verfälschen die Datenbasis. Um dies vermeiden zu können, werden aufgrund der Daten aus den eingelesenen Kanban-Barcodes die Kanbans herausgefiltert, die über einen bestimmten Zeitraum nicht mehr erfasst wurden.
Es wurde bewusst auf eine Verwaltung der Kanbans verzichtet und stattdessen eine Analyse der Kanban-Umläufe bevorzugt. Die Verwaltung von Kanbans beinhaltet immer einen kontinuierlichen Aufwand, der zudem die Freiräume der Mitarbeiter einschränkt. So müsste jede Karte, die gedruckt oder entnommen wird, in einer Datenbank registriert werden.
Ein Kanban-Programm soll bei der Arbeit unterstützen; die Entscheidung für die richtige Systemeinstellung muss bei den Mitarbeitern vor Ort verbleiben.
Merke: Kanban heißt auch, Verantwortung zu übertragen.
Die Vorzüge einer Kanban-Steuerung dürfen durch die Unterstützung der EDV nicht gemindert werden.
Inhalte der Karte
Arbeitsplatz: Bedarfsort des Teiles. Bei häufig wechselnden Montageorten sollte auf die Angabe verzichtet werden, um den Änderungsaufwand zu reduzieren.
Haltestelle: Die Haltestelle für die Busversorgung beinhaltet mehrere Bedarfsorte. Wo es sinnvoll ist, entspricht die Haltestelle einem Arbeitsplatz.
LB-Stellplatz: Lagerplatz des Teiles in der Logistikbasis. Eine chaotische Organisation bedingt allerdings ein Auskunftssystem zur optimalen Sortierung.