Erläuterungen zu Kanban
Die Erhöhung der Produktivität durch das weitgehende Ausnutzen aller Optimierungsmöglichkeiten in der Produktion ist für alle am Prozess beteiligten Funktionen eine besondere Herausforderung; dies gilt auch für die Logistik.
So werden heute im Vergleich zur Vergangenheit erheblich höhere Ansprüche an die Materialwirtschaft gestellt.
Von der Logistik wird prozessorientiertes Denken vom Kunden über die Produktion bis zum Rohteile-Lieferanten gefordert, d. h. es wird ein umfassendes Organisationskonzept vom Absatzmarkt bis zur Beschaffung verlangt.
Neben den Potenzialen in den innerbetrieblichen logistischen Abläufen trägt eine enge Kooperation zwischen Zulieferer und Kunden in entscheidendem Maße zur Realisierung von kurzen Lieferzeiten und damit zur Kostenersparnis bei.
Untersuchungen besagen, dass 70–90 % der Fertigungszeit für ein Produkt für Transport und Lagerung vergeudet werden.
Eine möglichst produktionsnahe Beschaffung der Teile ohne große Lagerreichweiten sollte darum Ziel sein. Wege hierzu bieten Just-in-Time oder – allgemeiner – eine Kanban-Steuerung.
Um für den Wettbewerb auch langfristig gerüstet zu sein, ist es wichtig, Unternehmensziele zu definieren, die alle Bereiche des Unternehmens fordern, wie:
- Produkt: bestes Produkt
- Produktivität: Auslastung der Produktionseinrichtungen
- Ertrag: marktgerechter Preis (Ertrag = Umsatz/Aufwand)
- Qualität: Zuverlässigkeit
- Mitarbeiter: Qualifikation, Motivation
Logistische Funktionen
Das von Kanban tangierte Umfeld:
- Programmplanung (An- und Ausläufe von Produkten)
- Einkauf (Rahmenvereinbarungen mit Lieferanten)
- Disposition/Materialsteuerung (Selbststeuernde Abrufe)
- Speditionswesen (Andere Verfahren durch geringere Mengen)
- Lager (Anpassung der Organisation und Technik)
- Innerbetrieblicher Transport (Busprinzip statt Taxiprinzip)
- Teileandienung (Standardbehälter)
Materialzusteuerungsmethoden
Die wichtigsten Methoden sind:
- Pull-Prinzip
- Push-Prinzip
- JIT (Just-in-Time)
- Direktanlieferung
- Supermarkt-Prinzip
Was ist Kanban?
Kanban ist ein System zur Planung und Steuerung von Produktionen mit dem Ziel niedriger Bestände bei gleichzeitiger Erhöhung der Lieferbereitschaft. Es nutzt das Hol-Prinzip: Der Verbraucher meldet den Bedarf beim Lieferanten an.
Kanban stellt den Produktionsprozess in den Vordergrund.
Beschreibung eines Kreislaufes
Ein Kanban-Kreislauf beginnt immer am Arbeitsplatz. Bei Anbruch eines Behälters entnimmt der Werker die Karte und legt sie in einen Sammelkasten.
Ein Teilebereitsteller sammelt die Karten nach einem Fahrplan ein und liefert entsprechend neues Material an.
Erkannte Probleme in der Praxis
- Fehlender Überblick über Karten im Umlauf (inflationäres Nachdrucken).
- Bestellpunkte wurden ohne Bezug zu aktuellen Daten geschätzt.
- Nichteinhaltung der festgelegten Buszyklen.
- Hohe Fehlerrate bei manueller Dateneingabe.
Quellennachweis
- BME, Dr. H. F. Busch: "Einführung in das Materialmanagement", Wiesbaden- Ing.-Büro Breilmann & Partner: "Konzeption Materialanstellung bei der BMW AG", 1994
- SAP AG: "R/3 System Dokumentation", Walldorf 1995